Sicher aufbewahren
Seed-Phrase richtig sichern
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Kurz gesagt
Deine Seed-Phrase sicherst du, indem du sie offline auf Papier oder besser auf Metall festhältst und an einem geschützten Ort aufbewahrst. Sie darf nie digital gespeichert, fotografiert oder an jemanden weitergegeben werden. Prüfe einmal, ob die Wiederherstellung damit funktioniert, und regle, wer im Notfall davon erfährt.
Warum die Seed-Phrase so wichtig ist
Die Seed-Phrase, auch Wiederherstellungsphrase oder Recovery Phrase genannt, ist eine Liste aus meist 12 oder 24 Wörtern. Aus ihr berechnet deine Wallet alle Schlüssel und Adressen. Das hat zwei Folgen:
- Wer die Wörter kennt, besitzt deine Bitcoin. Er kann sie in jede kompatible Wallet eingeben und alles wegschicken, ohne dein Gerät und ohne deine PIN.
- Wer die Wörter verliert, verliert unter Umständen alles. Geht das Gerät kaputt und fehlt die Seed-Phrase, gibt es keinen Weg zurück.
Die Wörter stammen aus einer festen Liste von 2048 englischen Wörtern, die in einem offenen Standard namens BIP39 festgelegt ist. Deshalb funktionieren Seed-Phrasen meist auch in Wallets anderer Hersteller.
Die goldenen Regeln
- Nie digital. Kein Foto, kein Screenshot, keine Datei, keine Notiz-App, keine E-Mail, keine Cloud, kein Passwort-Manager.
- Nie weitergeben. Kein Support, keine Behörde, kein Hersteller und keine Website braucht deine Seed-Phrase. Wer danach fragt, ist ein Betrüger.
- Nie auf einer Webseite eingeben. Die Seed-Phrase gibst du nur in deine Hardware-Wallet oder eine vertrauenswürdige Wallet-App ein, und nur, um eine Wallet wiederherzustellen.
- Vollständig und in der richtigen Reihenfolge, nummeriert und gut lesbar.
Papier oder Metall?
Papier ist der einfachste Start. Die meisten Hardware-Wallets liegen mit einer Karte zum Ausfüllen im Karton. Nutze einen Kugelschreiber, keinen Bleistift. Papier ist aber empfindlich gegen Wasser, Feuer und Zeit.
Metall ist robuster. Es gibt Platten und Kassetten aus Edelstahl, in die du Buchstaben einstanzt oder einsteckst. Sie überstehen Wohnungsbrände und Wasserschäden deutlich besser als Papier. Wie hitzebeständig ein Produkt ist, hängt vom Material ab. Achte auf Edelstahl und auf die Angaben des Herstellers. Bei grösseren Beträgen ist so ein Backup eine sinnvolle Ergänzung. Oft genügen die ersten vier Buchstaben jedes Wortes, weil sie in der BIP39-Wortliste eindeutig sind.
Der richtige Ort
Es gibt keinen perfekten Ort, nur eine Abwägung zwischen Diebstahl, Verlust und Erreichbarkeit:
- Zu Hause ist das Backup schnell erreichbar, aber Einbruch, Brand oder Wasserschaden sind ein Risiko. Ein unauffälliger Ort ist meist besser als ein offensichtlicher Tresor.
- Bei einer Vertrauensperson oder an einem zweiten Ort schützt eine Kopie gegen Ereignisse, die eine Wohnung als Ganzes betreffen.
- Im Bankschliessfach ist das Backup gut geschützt, aber nur zu Öffnungszeiten erreichbar, und die Bank weiss, dass du dort etwas aufbewahrst.
Viele bewahren deshalb zwei Kopien an zwei verschiedenen Orten auf. Jede zusätzliche Kopie ist aber auch eine zusätzliche Angriffsfläche. Mehr als zwei oder drei sind selten sinnvoll.
Gute Tarnung
Beschrifte das Backup nicht mit „Bitcoin“ oder „Seed“. Wer es findet, sollte nicht sofort erkennen, was er in der Hand hält. Deine Angehörigen sollten es im Notfall aber trotzdem finden können. Wie das zusammenpasst, steht im Ratgeber Bitcoin vererben.
Die Passphrase: ein zusätzliches Wort
Viele Wallets bieten eine optionale Passphrase, manchmal „25. Wort“ genannt. Sie wird zusammen mit der Seed-Phrase verwendet und erzeugt eine völlig andere Wallet. Wer nur die Seed-Phrase findet, sieht dann eine leere oder kleine Wallet.
Das erhöht den Schutz gegen Diebstahl deutlich, hat aber einen Preis: Die Passphrase musst du getrennt von der Seed-Phrase sichern, und wenn sie verloren geht, sind die Bitcoin weg, auch mit der Seed-Phrase. Eine Passphrase ist sinnvoll für Menschen, die das System verstanden haben, nicht für den ersten Tag.
Test: Funktioniert dein Backup?
Ein Backup, das nie getestet wurde, ist eine Hoffnung, keine Sicherheit. Prüfe einmal mit einem kleinen Betrag, ob sich die Wallet aus deiner Seed-Phrase wiederherstellen lässt. Die Anleitung dazu steht im Ratgeber Hardware-Wallet einrichten.
Die häufigsten Fehler
- Foto „nur als Zwischenlösung“: Viele Smartphones laden Fotos automatisch in die Cloud. Damit liegt die Seed-Phrase auf fremden Servern.
- Eingabe auf einer gefälschten Seite: Betrüger bauen Seiten nach, die eine „Wallet-Synchronisation“ oder ein „Sicherheitsupdate“ verlangen. Mehr dazu in Bitcoin-Betrug erkennen.
- Unleserliche Schrift: Ein verwechseltes Wort kann die Wiederherstellung unmöglich machen.
- Niemand weiss davon: Stirbt die einzige Person, die das Backup kennt, sind die Bitcoin für die Erben oft verloren.
Wenn die Seed-Phrase weg ist
Solange deine Hardware-Wallet noch funktioniert und du die PIN kennst, ist nichts verloren. Erstelle sofort eine neue Wallet mit neuer Seed-Phrase, sichere diese sorgfältig und überweise alle Bitcoin dorthin. Was in anderen Fällen hilft, erklärt der Ratgeber Zugang zur Wallet verloren.
Häufige Fragen
Darf ich die Seed-Phrase in einem Passwort-Manager speichern?
Davon raten wir ab. Ein Passwort-Manager ist mit dem Internet verbunden und kann durch Schadsoftware, Phishing oder ein gehacktes Konto offengelegt werden. Die Seed-Phrase gehört offline auf Papier oder Metall.
Was mache ich, wenn jemand meine Seed-Phrase gesehen hat?
Richte sofort eine neue Wallet mit einer neuen Seed-Phrase ein und überweise alle Bitcoin dorthin. Die alte Seed-Phrase gilt ab diesem Moment als kompromittiert und sollte nicht mehr verwendet werden.
Kann ich die Seed-Phrase in mehrere Teile aufteilen?
Von einer einfachen Aufteilung der Wörter raten wir ab, weil jeder Teil die Sicherheit verringert und der Verlust eines Teils die Wiederherstellung erschwert. Wer Schlüssel auf mehrere Orte verteilen will, nutzt besser eine Multisig-Wallet.
Wie oft sollte ich mein Backup prüfen?
Prüfe es direkt nach der Einrichtung durch eine Test-Wiederherstellung. Danach genügt es, in grösseren Abständen zu kontrollieren, ob das Backup noch vorhanden, lesbar und unbeschädigt ist.
Dieser Artikel ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.