Steuern und Nachlass
Bitcoin vererben: So regelst du den Nachlass
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Kurz gesagt
Damit deine Erben an deine Bitcoin kommen, brauchen sie drei Dinge: das Wissen, dass es Bitcoin gibt, Zugang zur Seed-Phrase und eine verständliche Anleitung. Gleichzeitig darf zu Lebzeiten niemand ausser dir darauf zugreifen können. Ein Notfallbrief, ein sicherer Aufbewahrungsort und gegebenenfalls ein Testament lösen diesen Widerspruch.
Das Dilemma beim Vererben
Bitcoin in Selbstverwahrung haben eine Eigenschaft, die zu Lebzeiten ein Vorteil ist und im Todesfall zum Problem wird: Niemand ausser dir kommt daran. Es gibt keine Bank, die den Erben nach Vorlage eines Erbscheins das Konto öffnet. Weiss niemand von deinen Bitcoin oder findet niemand die Seed-Phrase, sind sie für immer verloren.
Gleichzeitig willst du heute nicht, dass jemand anders Zugriff hat. Eine gute Nachlassplanung löst beides: Sie hält die Bitcoin zu Lebzeiten sicher und macht sie im Ernstfall erreichbar.
Die drei Dinge, die deine Erben brauchen
- Wissen: Jemand muss wissen, dass es überhaupt Bitcoin gibt und ungefähr in welcher Grössenordnung.
- Zugang: Die Erben müssen die Seed-Phrase finden können, und gegebenenfalls Passphrase, PIN oder weitere Schlüssel.
- Anleitung: Viele Angehörige haben noch nie eine Wallet benutzt. Ohne verständliche Anleitung machen sie Fehler oder fallen auf Betrüger herein.
Der Notfallbrief
Ein Notfallbrief ist ein Dokument, das du für deine Erben schreibst. Er enthält nicht die Seed-Phrase selbst, sondern alles, was man braucht, um sie zu finden und richtig zu verwenden:
- welche Wallets es gibt, zum Beispiel „Hardware-Wallet im Schreibtisch, Smartphone-Wallet für Kleinbeträge“,
- wo die Seed-Phrase aufbewahrt ist und ob eine Passphrase verwendet wird (und wo diese liegt),
- welche Konten bei Anbietern existieren,
- welche Person mit Bitcoin-Kenntnissen helfen kann und der du vertraust,
- eine Warnung vor Betrügern: niemandem die Seed-Phrase geben, keine Software auf Zuruf installieren, nichts überstürzen.
Bewahre den Notfallbrief getrennt von der Seed-Phrase auf, etwa bei deinen Unterlagen oder bei einer Notarin oder einem Notar. Frag dort nach, welche Möglichkeiten der Hinterlegung es gibt. Aktualisiere ihn, wenn sich etwas ändert.
Wichtig
Der Notfallbrief darf nicht so geschrieben sein, dass jemand, der ihn findet, sofort deine Bitcoin stehlen kann. Seed-Phrase und Anleitung gehören an getrennte Orte.
Welche Lösung zu dir passt
Einfache Lösung: Seed-Phrase an einem bekannten, sicheren Ort
Die Seed-Phrase liegt an einem sicheren Ort, etwa einem Bankschliessfach, und deine Erben erfahren über den Notfallbrief davon. Das ist einfach und für kleinere Beträge oft ausreichend. Kläre mit deiner Bank, wer im Todesfall auf das Schliessfach zugreifen darf und welche Nachweise die Erben dafür brauchen. Eine Vollmacht über den Tod hinaus kann helfen.
Mittlere Lösung: Seed-Phrase und Passphrase getrennt
Die Seed-Phrase liegt an einem Ort, die Passphrase an einem anderen oder bei einer anderen Person. Wer nur eines davon findet, kommt nicht an die Bitcoin. Mehr zur Passphrase steht im Ratgeber Seed-Phrase richtig sichern.
Fortgeschrittene Lösung: Multisig
Bei einer Multisig-Wallet, etwa zwei von drei Schlüsseln, kannst du die Schlüssel verteilen: einen behältst du, einen bekommt eine Vertrauensperson, einen hinterlegst du an einem dritten Ort. Keine einzelne Stelle kann allein auf die Bitcoin zugreifen, aber zusammen kommen die Erben ans Ziel. Multisig erfordert Sorgfalt bei der Einrichtung und eine gute Dokumentation. Für grosse Beträge ist es oft die beste Lösung.
Rechtliche Seite
Bitcoin sind Vermögen und gehören zum Nachlass. Was das im Einzelnen bedeutet, regelt das Erbrecht deines Wohnsitzlandes:
- Deutschland: Geerbte Bitcoin unterliegen der Erbschaftsteuer. Wie viel steuerfrei bleibt, hängt vom Verwandtschaftsgrad ab.
- Österreich: Eine Erbschaftsteuer gibt es derzeit nicht. Verkaufen die Erben die Bitcoin später, kann aber Einkommensteuer anfallen.
- Schweiz: Erbschaftssteuern regeln die Kantone. Ehepartner und Kinder sind in vielen Kantonen ganz oder weitgehend befreit, die Regeln unterscheiden sich aber stark.
Bei grösseren Beträgen lohnt sich eine Beratung durch eine Fachperson für Erbrecht. Sie hilft auch dabei, Testament und Notfallbrief aufeinander abzustimmen. Einen Überblick über die steuerliche Seite gibt Bitcoin und Steuern.
Häufige Fehler
- Niemand weiss Bescheid. Das ist der häufigste Grund, warum Bitcoin nach einem Todesfall verloren gehen.
- Die Seed-Phrase steht im Testament und wird damit vielen Personen bekannt.
- Die Anleitung setzt Fachwissen voraus, das die Erben nicht haben.
- Die Planung ist veraltet, etwa weil die Wallet längst gewechselt wurde.
- Erben werden Opfer von Recovery-Betrügern, die sich nach dem Todesfall melden. Ein Hinweis darauf gehört in den Notfallbrief. Mehr unter Bitcoin-Betrug erkennen.
Kleine Probe für den Ernstfall
Lies deinen Notfallbrief einmal mit den Augen deiner Angehörigen. Würden sie ihn verstehen? Wissen sie, wo sie anfangen sollen? Wenn du unsicher bist, bitte eine Vertrauensperson, dir die Schritte zu erklären, ohne sie tatsächlich auszuführen. Wie man eine Wallet wiederherstellt, steht in Zugang zur Wallet verloren.
Häufige Fragen
Gehören Bitcoin ins Testament?
Bitcoin sind Teil deines Vermögens und gehen grundsätzlich wie andere Vermögenswerte auf die Erben über. Ob und wie du sie im Testament erwähnst, solltest du mit einer Notarin, einem Notar oder einer Fachperson für Erbrecht klären. Die Seed-Phrase selbst gehört nicht ins Testament.
Warum sollte die Seed-Phrase nicht ins Testament?
Ein Testament wird von mehreren Personen gelesen, zum Beispiel von Gericht, Notar und allen Erben. Die Seed-Phrase wäre damit vielen Menschen bekannt. Besser ist ein Hinweis, wo das Backup liegt und wer Zugang erhalten soll.
Fallen auf geerbte Bitcoin Steuern an?
Geerbte Bitcoin können erbschaftsteuerpflichtig sein. Die Regeln unterscheiden sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz stark, in der Schweiz sogar je nach Kanton. Lass dich dazu beraten.
Gibt es Anbieter, die das Vererben von Bitcoin übernehmen?
Es gibt Dienstleister, die Multisig-Lösungen mit einem Nachlass-Schlüssel anbieten. Prüfe sie sorgfältig: Wer verwahrt welchen Schlüssel, was passiert bei einer Insolvenz des Anbieters, und kommen deine Erben auch ohne den Anbieter an die Bitcoin?
Dieser Artikel ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.