Warum Bitcoin? · Philosophie · Lektion 5

Eine Entstehung ohne Erbsünde

Zusammenfassung von „An immaculate conception“ aus „21 Lessons“ von Gigi · Zuletzt aktualisiert:

Ein Erfinder, den niemand kennt

Bitcoin wurde unter dem Namen Satoshi Nakamoto veröffentlicht. Wer oder was sich dahinter verbirgt, eine Person oder eine Gruppe, ist bis heute unbekannt. Satoshi hat das System entworfen, die erste Software veröffentlicht, das Netzwerk in seiner verletzlichen Anfangszeit am Leben gehalten und sich dann zurückgezogen.

Für Gigi ist dieser Umstand kein Kuriosum am Rande, sondern ein wesentlicher Teil dessen, was Bitcoin ausmacht.

Warum das Verschwinden wichtig ist

Ein System, das ohne zentrale Instanz funktionieren soll, wird durch einen bekannten Gründer verwundbar. Gäbe es einen Erfinder, der noch mitentscheidet, könnte man ihn unter Druck setzen, verklagen, bestechen oder erpressen. Seine Meinung hätte Gewicht, und Konflikte würden sich um ihn drehen.

Weil Satoshi verschwunden ist, gibt es diese Angriffsfläche nicht. Bitcoin hat keinen Chef, keinen Sprecher und keine Stiftung, die das letzte Wort hat. Gigi zitiert dazu die Ansicht, dass Satoshis Rückzug eines der wertvollsten Dinge war, die er für Bitcoin getan hat.

Eine Geschichte, die sich nicht wiederholen lässt

Das Original nennt diese Entstehung eine „unbefleckte Empfängnis“ der Technik: ein System, das ohne Herrscher entstanden ist und seither ohne einen auskommt. Seit Bitcoin sind tausende andere Kryptowährungen entstanden. Fast alle haben bekannte Gründer, Firmen, Stiftungen oder grosse Anteile, die bei wenigen Beteiligten liegen. Keine teilt die Entstehungsgeschichte von Bitcoin.

Das ist mehr als eine Anekdote. Geschichten prägen, welchen Ideen Menschen vertrauen und welche sich halten. Wer Bitcoin ersetzen wollte, müsste nicht nur bessere Technik bieten, sondern auch gegen diese Geschichte ankommen.

Menschlich, nicht mythisch

Gigi zieht einen Vergleich zu Gold, das in frühen Kulturen als Geschenk der Götter galt. Auch Bitcoin wird manchmal fast mythisch überhöht. Die Lektion betont aber: Bitcoin ist menschengemacht. Seine Entwicklung, Pflege und Prüfung hängt bis heute von vielen Menschen auf der ganzen Welt ab, ob sie unter ihrem Namen oder anonym arbeiten.

Was die Lektion lehrt

Erzählungen sind wichtig. Bitcoin ist dafür selbst das beste Beispiel: Seine Glaubwürdigkeit als neutrales Geld beruht auch darauf, dass niemand es besitzt und niemand es lenkt, nicht einmal sein Erfinder.

Warum Bitcoin sich auch technisch nur schwer verändern lässt, beschreibt die Lektion Langsam bewegen und nichts kaputt machen. Der Ratgeber Was ist Bitcoin? erklärt den Unterschied zu anderen Kryptowährungen.

Originalkapitel „An immaculate conception“ auf 21lessons.com lesen (Englisch)